Wolfgang Eckl - Fantasy- und Historienromane

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Seit 2005 arbeite ich im Rahmen eines Autorencoachings der Scripta-Literaturagentur, München, an meiner neuen Geschichte, einem satirischen Fantasy-Roman mit dem Titel “Der Drakoner”

Durch das Autorencoaching will ich meine schriftstellerischen Fähigkeiten professionalisieren. Zugleich entsteht dabei eine sehr unterhaltsame, witzige und spannende Geschichte, ein Fantasy-Roman der besonderen Art.

 

Nachfolgend ein Auszug aus dem 1. Kapitel:

Die beiden Bauern konnten sich gar nicht mehr einkriegen und krümmten sich vor Lachen. Bis ein Geräusch von der nahen Landstraße her sie in ihren mehr oder weniger philosophischen Betrachtungen über das Heldentum innehalten ließ. Ein junger Mann kam die Straße entlang und schmetterte dabei unverdrossen ein Lied. Er hatte ein für seinen schmächtigen Körper viel zu großes Hemd an und eine alte, ausgewaschene Hose. Seine Füße, die in hölzernen Schuhen steckten, die ebenfalls viel zu groß erschienen, wirbelten bei jedem Schritt eine kleine Staubwolke auf, sodass es aussah, als wäre der leibhaftige Gestiefelte Kater einer Wolke entstiegen. Über der Schulter trug er einen Stock, an dessen Ende ein kleiner, rot-weiß-karierter Sack baumelte.
Die Bauern sahen sich erst kurz an, und dann prusteten sie wieder aus vollem Hals heraus los. Schließlich setzte der Alte ein breites Grinsen auf und winkte dem etwas verträumt wirkenden Burschen grüßend zu.
„He, Junge!“, rief er, nach Luft schnappend. „Wohin des Wegs?“
„Ja, wohin so vergnügt“, meinte der andere mit japsender Stimme. „Bei dieser Hitze laufen doch nur Idioten durch die Gegend.“
„Oder Helden“, ergänzte der Alte, und die beiden Bauern lachten wieder röhrend los.
Der junge Mann blieb verwundert stehen und deutete auf sich.
„Ja, dich meinen wir“, prustete der Ältere. „Wir beißen nicht, keine Sorge.“
Etwas zögerlich kam der Bursche näher.
„Wir stinken höchstens nach Schweiß und Scheiße“, sagte der Jüngere und brüllte schon wieder los.
„Der Duft des arbeitenden Mannes, jawohl!“, sagte der Alte im vollsten Brustton der Überzeugung und bemühte sich dabei, ernsthaft zu erscheinen. Dann bedeutete er dem Wanderer, der noch immer nichts gesagt hatte, sich zu setzen. Und der junge Mann lächelte dankbar und ließ sich tatsächlich bei den beiden Bauern unter dem Schatten des Baumes nieder.
„Das ist sehr nett von euch“, sagte er mit einer hellen, klaren Stimme. „Und seid mir herzlich gegrüßt an diesem herrlichen Tage.“
Die zwei Bauern sahen sich erst ein wenig verdutzt an, ob dieser Ansprache, die auf eine gute Herkunft des Fremden schließen ließ.
„So sind wir eben“, sagte der Jüngere dann, machte eine gönnerhafte Geste und grinste den Alten an.
„Ihr müsst nämlich wissen“, sagte der Wanderer, „seit ich vor Tagen von zu Hause aufgebrochen bin, hat mich noch niemand eingeladen, sich zu ihm zu gesellen.“
Der Alte nahm den Wasserschlauch zur Hand, öffnete ihn und reichte ihn an den Burschen weiter.
„Hier. Das ist zwar kein kühles Bier, aber es hilft gegen den Durst.“
Der junge Wanderer nahm den Schlauch entgegen und trank einige Schlucke von dem lauwarmen Getränk.
„Vorzüglich“, sagte er und wischte sich genießerisch den Mund mit dem Handrücken ab.
Wieder sahen sich die beiden Bauern verdutzt an und drehten sich dann kichernd zu den zwei Ochsen um, die in der Nähe friedlich grasten und mit ihren Schwänzen träge nach den Fliegen und Mücken schlugen, die eifrig um sie herumschwirrten.
„Wie heißt du denn, Kleiner?“, fragte der Alte schließlich und versuchte, sein Grinsen zu unterdrücken.
„Mein Name ist Rupert Ruppig, und ich komme aus Hohenthal.“
Der Bauer kniff ein Auge zu und griff an seinen Schlapphut.
„Oho“, sagte er und verdrehte die Augen. Und der Jüngere fragte:
„Woher?“
„Das ist ein kleines Dorf in den Granitbergen im Norden des Landes“, antwortete Rupert. „Bekannt durch seine Steinmetze und die vorzüglichen Kunstwerke, die im ganzen Land so hoch geachtet werden.“
„Ach ja, Hohenthal“, sagte nun der junge Bauer und grinste in seinen Bart hinein. „Das kennt ja wirklich jeder.“
„Und was willst du hier?“, fragte der Alte, winkte aber sogleich ab. „Nein, lass mich raten. Du willst nach Hüterstedt, um dort vorzügliche Kunstwerke zu verkaufen, stimmt’s?“
„Reich werden und ein dralles Weib ehelichen, richtig?“, ergänzte der Jüngere.
Und die beiden Bauern fingen wieder an zu lachen.
„Nun ja, eigentlich ...“, stotterte Rupert. „Eigentlich will ich ja ...“
„Ein Held werden“, rief der Alte fröhlich aus, und wie auf ein Kommando begannen die zwei Bauern nun röhrend zu lachen.
„Woher wisst ihr das?“, fragte Rupert überrascht.
„Ein Held!“, wieherte der Jüngere der beiden Bauern und schnäuzte sich dabei den Rotz aus der Nase.
„So ein dürrer Bengel wie du ...“, lallte der Alte. „Kannst du überhaupt ein Schwert richtig rum halten?“
„Oder eine Streitaxt?“, gackerte der Jüngere.
„Der weiß sicher nicht mal, wie man eine Mistgabel hält!“, prustete nun der Alte. 
„Aber vielleicht ´nen Meißel ... Steine klopfen ...“
Und die zwei Bauern hielten sich japsend die Bäuche vor Lachen.
Rupert holte tief Luft, und dann sagte er so bestimmt wie möglich: 
„Ich gehe nach Hüterstedt, um Drachentöter zu werden.“
„Ach so“, sagte der Alte. „Das ist natürlich was anderes.“
Und dann brüllten die beiden Bauern los, als hätten sie gerade den größten Witz aller Zeiten gehört. Sie lachten und lachten und wollten gar nicht mehr aufhören.
Schließlich aber beruhigten sie sich doch wieder einigermaßen, und nachdem sich der Alte die letzten Tränen aus den Augen gewischt hatte, sagte er zu Rupert:
„So, so. Ein Held willst du also werden.“
Rupert zuckte mit den Achseln.
„Ja ... aber eigentlich nur Drachentöter.“
Die Bauern starrten ihn einen Augenblick lang an. Dann begannen sie abermals schallend zu lachen. Rupert, der nicht wusste, was er noch sagen sollte, schüttelte ratlos den Kopf.
Da klopfte ihm der ältere Bauer jovial auf die Schulter.
„Ach, Drachentöter, Held, ist doch egal wie die sich nennen“, sagte er gutgelaunt.
„Genau“, pflichtete ihm der Jüngere bei. „Alles dasselbe, und alle zusammen faules Pack. Verstehen nichts von harter, ehrlicher Arbeit.“
Und wieder wälzten sich die beiden Bauern lachend am Boden. Rupert kratzte sich nachdenklich am Kopf.
„Aber meine Herren“, sagte er schließlich zaghaft. „Ist das Töten von Drachen nicht eine ehrliche und harte Arbeit?“ Und er sah dabei die Bauern fragend an, die nun ihrerseits den jungen Mann etwas irritiert musterten. „Ihr müsst sie doch kennen, die berühmten Drachentöter von Hüterstedt“, fuhr Rupert ermutigt durch die plötzliche Aufmerksamkeit der Bauern nun fort. „Das ganze Land kennt sie und ihren unverwundbaren Anführer.“
„Ja, ja“, stimmte ihm der Jüngere nun missmutig zu.“Aber hör mir bloß mit diesem Anführer auf.“
„Elende Strauchdiebe sind das, die ehrliche Leute um ihr Hab und Gut bringen“, ereiferte sich nun der Ältere. „Und dieser angeblich so unbesiegbare Kommandant ist der Schlimmste von allen“. Der Alte bleckte dabei seine überdimensionalen Eckzähne und spuckte angewidert aus.
„Und ein Aufschneider obendrein“, fuhr der Jüngere fort. „Ich trau dem Kerl jedenfalls nicht über den Weg.“
„Wie heißt es so schön“, bemerkte der Ältere nun und fing dabei wieder zu grinsen an. „Trau keinem Troll über 30.“
„Und der ist mindestens 80“, erwiderte der Jüngere, „so wie der aussieht“.
Und dann grölten die beiden wieder los.
Rupert hatte dem Gespräch der zwei Bauern verwundert zugehört. Die Menschen hier, so weit weg von seiner Heimat, kamen ihm doch recht seltsam vor. Aber was wusste er schon von den Menschen und von der weiten Welt. Er würde das alles schon noch kennenlernen und verstehen. Da war er sich ganz sicher.
Schließlich stand er auf, nickte den Bauern kurz zu und machte sich, ohne weiter auf das Gegröle der beiden zu achten, wieder auf den Weg. Er folgte der Straße in südlicher Richtung, die direkt auf die Stadt zulief. Was gingen ihn schon diese seltsamen Gesellen an, dachte er und schritt guten Mutes voran.
 

 

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